Posen 2011
Ungewöhnlicher Monat für eine Konferenz, aber nun gehts nach Posen anlässlich der LTC 2011. Das könnte grau werden... Kurze Tage, wenig Sonnenschein. Na mal schaun.
24.11.2011
Diesmal gings mal per Bahn zur Konferenz. In Berlin bin ich also in den Eurocity der deutschen Bahn eingestiegen. Ein Novum für mich: Ich habe noch nie eine Ländergrenze per Zug überquert, aber dank Schnengen ist das ja kein Problem. Also schön den Blick aus dem Zug Richtung Reichstag genossen und an einigen schönen Villen vorbeigefahren. Da kam dann auch schon die zweisprachige Ansage der nächsten Haltestelle auf Deutsch und DB-Englisch. Wobei im "Deutschen" Wörter wie "Waschaw" oder so ähnlich vorkamen... Dürfen Bahnbeamte nicht den deutschen Namen "Warschau" benutzen? (Die Polen selbst benutzen jedenfalls die deutschen Namen wenn sie Deutsch sprechen). Zwischendurch noch eine Fahrscheinkontrolle und eine Stunde später waren wir dann auch schon in Frankfurt/Oder. Kurz hinter dem Bahnhof hielten wir schon wieder an. Rechts und links von uns sah man lange, mit Autos beladene Züge. Das muss die Grenze sein ;-) Als wir nach 10 Minuten weitergefahren sind, erkannte man dies auch gleich an den historisch anmutenden Triebwagen. Dann kam plötzlich wieder eine Fahrscheinkontrolle. Diesmal auf Polnisch... Ich hab mich schon gefragt wie die das machen und ob der Zug komplett von der DB betrieben wird, aber scheinbar wechseln die an der Grenze einfach komplett das Personal. Naja, für ne Fahrscheinkontrolle braucht man nicht wirklich Sprachkenntnisse aber leider waren die Ansagen auch nur auf Polnisch. Wie sehr hätte ich mir jetzt DB-Englisch gewünscht! Also hieß es "Aussteigen nach Uhrzeit", da man aus dem Zug heraus auch keine Bahnhofsnamen sehen konnte. Als wir dann in Posen angekommen sind war ich doch etwas schockiert. So einen vollen Bahnhof kannte ich nur aus historischen Dokumentationen des 20. Jahrhunderts. Also erstmal den Ausgang gesucht. Hab natürlich die falsche Richtung gewählt. Also umgedreht und ab durch einen 1,5m breiten, ca. 10m langen Tunnel ohne Licht geschoben und, wie gesagt, es war abartig voll... Dementsprechend "schnell" ist man auch vorangekommen. Menschlicher Gegenverkehr erschwerte die Situation. Ok, weiter zur nächsten Amtshandlung. Geld holen. Danach zum Fahrscheinautomaten und ne Busfahrkarte kaufen (Google ist dein Freund! Sowohl Busnummer, Fahrplan als auch Position des Fahrscheinautomaten per Internet ermittelt). Leider wollte der Automat meinen kürzlich erworbenen Geldschein nicht haben, da er maximal 10 Einheiten des polnischen Geldes verarbeiten konnte. Also ab zum Rossmann (den gibts hier auch, ebenso wie Lidl) und ein paar Kekse gekauft. Ich konnte zwar inzwischen immer noch kein Polnisch, aber man konnte sich erschließen, dass die Kassiererin das reichlich doof fand, dass ich mit nem 100-Dingens-Schein ankam (Zloty oder wie man das schreibt). Tja, da musste sie durch. Mit dem nun vorhandenen Kleingeld dann wieder ab nach draußen zum Fahrscheinautomaten und anschließend mit dem Bus Richtung Hotel. Interessant fand ich, dass der Bus die Haltestellen zählt. Sprich man muss sich keine Namen merken, sondern einfach bei der "4" aussteigen. Schönes System.
Das Hotel macht einen sehr, hmm, polnischen Eindruck. Hier ist die Zeit etwas stehengeblieben. Man stelle sich einen unsanierten Plattenbau des Schweriner Dreesches mit "modischer", brauner Innenausstattung und Omis selbsgehäkelten Gardinen vor. Darf man hier von "Ostalgie" sprechen oder geht das nur in Deutschland? Naja, aber ist schon in Ordnung. Abends noch schnell ins Hotelrestaurant und das billigste Essen + Bier bestellt. Und schon war die Hälfte meines 100-Dingens-Scheins weg... Satt ist auch relativ, aber ich hatte ja noch 6 Kekse ;-)
Nachts habe ich dann mehrfach unabsichtlich von der unglaublich genialen Erfindung, den Lichtschalter direkt an der Wand, gegen die das Bett gestellt ist (ca. auf Schulterhöhe) anzubringen, "Gebrauch gemacht"... nervig! (Wer möchte, darf diesen (also den letzten) Satz vereinfachen oder die Kommas richtig setzen).
25.11.2011
Heute war der erste Konferenztag. Die Eröffnung fand im Iuridicum Novum statt, einem modernen Neubau der Uni, den man so gar nicht erwartet hätte. Da war ich wirklich beeindruckt und wünschte mir sowas in Wismar zu haben. Naja, jedenfalls gabs zur Eröffnung erstmal ein paar (langweilige) Vorträge von Stadt-, Landes- und EC-Vertretern. Der Tagsordnungspunkt "Mittag" war dann in eigener Verantwortung und so ging ich in die Mensa wo ein Essen aber auch so ca. 3-4 kostete. Für Studentenpreise auch nicht wirklich billig. Aber wesentlich günstiger als das Hotelrestaurant.
Die zweite Session fand dann direkt im Hotel statt. Was für ein Gegensatz zu dem Unigebäude. Nicht so schlimm dachte ich mir, bis sich nach einer Stunde der Stuhl bzw. der Rücken meldete ;-) Auch das WLAN war gnadenlos überlastet. Ob das an den Vorträgen lag? ;-) Aber 200 Gäste sind ja auch nicht gerade wenig.
Abends war dann die Reception - eine Überraschung wurde uns angekündigt: und zwar gings zu den Palmenhallen, also einem riesigen Gewächshaus. Dazu wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt. Problem war nur, dass man die Hälfte der Führung nicht mitbekommen hat, weil der Führ.... - der Guide - vorne weg ging und erklärt hat und alle anderen hintereinander her. Sprich ab der 10. Person war nichts mehr zu verstehen. Außerdem war es dunkel und in den Genuss der Taschenlampe der Führerin (hah, das hab ich gut "gegendert") kamen ebenfalls nur ein paar Leute. Naja, da alle hungrig waren, gab es zwischen den Büschen ein mit Kerzen beleuchtetes Tischchen (hübsch gemacht) mit Kuchen! Ganz genau, unser Abendbrot waren Kuchenstückchen. Atmosphärisch war das Ganze schon gut, aber eher für a) einen romantischen Abend oder b) einen Horrorfilm (liegt doch nah beieinander, oder?). Für ein Social Event etwas komisch, wenn man mitten im Gewächshaus hintereinander im Gang steht und um 21:00 Kuchen isst... Merkwürdig war es auf jeden Fall, aber trotzdem schön und auf jeden Fall mal was anderes. Oder wie man auch sagt: Es war eigentlich ganz nett...
26.11.2011
So, den Vortrag hab ich auch überstanden ;-) Endlich! Erleichterung... Um 20:00 war dann Dinner in der Medizinischen Fakultät angesagt. Echt ein tolles Gebäude und auch das Essen war gut, wenn es auch eine gewisse Tendenz in Richtung Glibber/Sülze gab, die keiner so recht mochte ;-) Danach noch in die Innenstadt gegangen und ne Kneipe besucht. Was soll ich viel schreiben? Erfolgreicher Tag und schöner Abend! Auf dem Bild sieht man das Hauptgebäude der Uni und das Denkmal des Namensgebers Adam Mickiewicz.
27.11.2011
Heute habe ich mir zwischen zwei Vortragssessions die Zeit genommen die Innenstadt aufzusuchen. Hab zwar nicht viel gesehen, aber das Rathaus und die umgebenden Gebäude sind sehr schön und überraschenderweise sehr bunt. Und auch die Straßenbahnen sind interessant, da es mindestens 5 verschiedene Modelle von ururalt bis ganz modern gab. Da die Zeit drängte, gings aber auch gleich wieder zurück. Nach der Veranstaltung sind wir dann wieder in die Stadt und bei Dunkelheit haben die Gebäude erst recht ihren Reiz. Eigentlich wollten wir noch in die Oper für sagenhafte 10 Euro (Aida), aber da war natürlich schon alles ausgebucht. Stattdessen sind wir dann ins Archäologische Museum gegangen. Naja, war sehr unspektakulär und klein. Anschließend was essen und danach in ne Kneipe ein paar "Lech" trinken, so klingt die Konferenz schön aus. Die Kneipen und Restaurants waren von innen übrigens immer extrem liebevoll hergerichtet und sehr gemütlich und die Bedienung immer sehr freundlich.
Fazit: Viel gesehen hab ich nicht, aber die Innenstadt hat viele sehr schöne Gebäude. Vor allem die alten Unigebäude und der Rathausplatz sind toll. Ansonsten ist viel grau und runtergekommen, gerade wenn man sich von der absoluten Innenstadt entfernt. Der Monat November macht das nicht besser... Dazu muss man aber noch sagen, dass extrem viel gebaut wird. Hier wird sich die nächsten Jahre noch einiges tun... Außerdem soll die Stadt sehr wissenschaftsstark sein, also es gibt viele Unis und Studenten. Sowas ist ja wichtig, auch wenn es einen als Touristen nicht interessiert. Aber extra Urlaub machen würd ich hier wohl nicht, gibt halt für Touristen nicht so viel zu sehen. Ein Tag reicht völlig aus, um sich den Rathausplatz anzuschauen.
28.11.2011
Heute gings also wieder nach Hause. Hat alles problemlos geklappt außer dass der ICE mal wieder ein Problem hatte und nur 160 km/h fahren konnte, was natürlich für Verspätung gesorgt hat... Was noch ganz interessant war ist, dass in den polnischen Bahnhöfe die Bahnsteige nummeriert werden und nicht die Gleise. Am Bahnsteig 2 fuhren also 3 Züge ab (2 auf einem Gleis hintereinander) und man musste selbst gucken auf welcher Seite der Zug denn einfährt... Und dann noch ein "Highlight" der DB. Im Eurocity (schon in Deutschland) fragte eine Polin die Schaffnerin auf welcher "Plattform" denn der Zug nach Stuttgart abfahren würde. Konsequente Antwort im schönen Brandenburgisch: "Plattform? Sowat haben wir hier nich!". Das ist doch echt hilfsbreit!
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